Über mich statt von mir

Seit etwa drei Jahren bin ich sportlich aktiv. Davor habe ich ausgiebig meinen Ruf als Couchpotato gepflegt. Im Prinzip ist mir schon seit der Volksschule eingeredet worden, dass ich faul sei. Meine Mutter schickte mich schon damals immer wieder raus „an die frische Luft“, wenn ich eigentlich nichts anderes wollte, als zu lesen. Mein jüngerer Bruder war eigentlich immer der, der von einem Sportereignis zum nächsten musste und dazwischen mit dem Rad herumdüste, Snakeboard fuhr, Basketball spielte und Judo betrieb. Meistens machte ich halbherzig mit, oder gar nicht. Spaß machte es mir nie so wirklich.

Im Gymnasium und weite Strecken der Handelsakademie gaben wechselnde Lehrerinnen ihr Bestes, um uns allen Sport so madig wie möglich zu machen. Ich erinnere mich an eine großbrüstige Lehrerin, die uns ständig auf die 100 m Bahn schickte. Und an eine kleinwüchsige Wuschelhaarfrau, die uns dauernd erzählte, dass wir mit unseren fetten Ärschen sowieso nie in einen Bikini passen würden. Diese Dinge hört man natürlich als pubertierendes Kind gern. Und sie richten auch gar keinen dauerhaften Schaden an. Oder Body-Image-Issues. Naaaain…. wo kämen wir denn da hin. Naja, meistens entzogen ich und der Rest der Klasse uns der Tortur durch vorgetäuschte Regelschmerzen oder beinhartes Schwänzen. Die Lehrerin störte das nicht weiter. So konnte sie wenigstens ungestört mit ihren beiden einzigen und daher Lieblingsschülerinnen Volleyball spielen. Die beiden waren übrigens im Leichtathletikverein…

Naja, Jahre zogen ins Land. Ich wurde älter. Und vor einigen Jahren dann habe ich entdeckt, dass mich wandern und laufen irgendwie glücklich machen. Es war ein Zufallsfund. Aber wie in Beziehungen auch funktioniert es dann am Besten, wenn man keine Erwartungen hat und nichts Besonderes sucht. Ich hab dann immer wieder kleine Abenteuer in meinen Alltag eingebaut. Spontan einen Halbmarathon laufen, Pilgern, Weitwandern. Hin und wieder habe ich diese Aktionen auf Instagram dokumentiert.

Und vor drei Tagen ist es dann passiert. Eine Kollegin, Redakteurin bei einem großen österreichischen Frauenmagazin, hat sich bei mir gemeldet. Ob es okay sei, wenn sie eine Geschichte über mich schriebe. Sie hatte meinen Instagram Account entdeckt und fand spannend, was ich so zwischendurch mache. Natürlich stimmte ich zu, soeben habe ich die pdfs des Artikels zur Durchsicht bekommen. Abgesehen davon, dass ich gerührt bin und mich freue, bin ich auch ein wenig fassungslos. Als Teenie hätte ich mir so ziemlich alles träumen lassen. Pink heiraten, ins Ausland gehen, zum Mond fliegen – aber dass ich zum Thema Sport mal ein zweiseitiges Porträt in einer Frauenzeitschrift bekommen würde, das hätte ich nicht geglaubt. Selbst letzte Woche hätte ich maximal ÜBER jemanden geschrieben. Dass jetzt jemand mich zum Teil einer Story gemacht hat, ehrt und freut mich.

Jetzt bin ich ganz aufgeregt. Am 2. Juli erscheint das Magazin und ich werde natürlich die Erste am Kiosk sein. Ich denke, mein Glaubenssatz „Ich bin unsportlich“ ist damit endgültig und offiziell Geschichte.

2 Comments

  1. johannaschreibtwas

    Da sieht man mal, wie wenig man auf die Meinung Anderer Menschen geben sollte.. Was zugegeben gerade in der Schulzeit verdammt schwer ist/war. Umso mehr freut mich aber deine Geschichte zu hören! Klingt total spannend! Herzlichen Glückwunsch zu dem Porträt! 🙂 Verrätst du in welcher Frauenzeitschrift man den Text dann lesen darf? 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Claudia

    Hallo liebe Johanna, ja – das stimmt. Ich frage mich schon, ob LehrerInnen oder Eltern das immer so bewusst ist. Ich bin froh, dass ich über gewisse youtube channels gestolpert bin – ohne die wär ich wohl immer noch der Meinung, dass es Dinge gibt, die ich nicht kann. Der Text erscheint am 2. Juli in „WOMAN“ 🙂

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