The Outsider

…von Stephen King

Inhalt.
Es ist – wie das halt oft in Stephen Kings Büchern so ist – eine relativ kleine Stadt, ein netter Vorort, der ganz plötzlich und überraschend vom Bösen heimgesucht wird. In diesem Fall während eines Baseballspiels der Kinderliga. Ausgerechnet Coach T, der von allen geliebte Terry Maitland, wird vor den Augen eines ganzen Stadions verhaftet. Das Verbrechen, das ihm vorgeworfen wird, ist abscheulich: der bestialisch grausame Mord am kleinen Frankie Peterson.

Zwar beteuert Maitland seine Unschuld, aber wer glaubt ihm schon? Zeugen wollen ihn mit blutverschmiertem Gesicht gesehen haben, viele Zeugen. Das Problem: Es gibt auch Zeugen, sogar Videoaufnahmen, die beweisen, dass Coach T während der Tatzeit weit weg war. Zwar beschleicht Detective Ralph Anderson relativ schnell das ungute Gefühl, hier richtig Mist gebaut zu haben, doch es bedarf einer weiterer Tragödie, bis er und der Staatsanwalt sich selbst das eingestehen. Maitlands Anwalt beauftragt eine private Ermittlerin, die eine Spur in einem anderen Bundesstaat verfolgen soll. Auftrit: Holly Gibney, die sich schon in drei weiteren Büchern („Finders, Keepers“, „Mr Mercedes“ und „End of Watch“)  zu einem Leserliebling gemausert hat.

Gemeinsam macht sich eine illustre Truppe, bestehend aus einem Anwalt, Holly, zwei Detectives und einem weiteren Privatermittler auf nach Texas, denn dorthin scheint die heißeste aller Spuren zu führen. Die Männer und die wackere Holly sehen sich im Lone Star State aber mit gleich zwei Gefahren konfrontiert. Vorbereitet waren sie auf eine – und das ausgerechnet auf die übernatürliche…


Meinung.
Es ist ein Buch von Stephen King, daher schonmal prinzipiell nicht schlecht. Da bin ich ganz strikt. Aber es ist – meiner Meinung nach – nicht das Beste aus seinem Geamtwerk. Es ist spannend, es ist schlüssig erzählt, aber es wirkt ein bisschen lieblos und schnell hingefetzt. Die Charaktere faseln dauernd von Agatha Christie, es gibt Referenzen auf Agatha Christie – aber warum? Für mich ist es wenig nachvollziehbar, dass sich aus einer Gruppe erwachsener Menschen, die an sich nicht viel gemeinsam haben, plötzlich alle gleichzeitig dazu bemüßigt fühlen, mit ihren Literaturkenntnissen anzugeben. Nämlich auch dann, wenn die Situation es nicht verlangt, wo andere Autoren mehr auf der Hand liegen würden.

Aber das wiederum ist auch einer der cooleren Aspekte des Buchs: Der bekannte Autor Harlan Coben ist Maitlands Alibi. Und auch The Shining wird erwähnt – aber ich verliere mich in Details, die im Prinzip nicht wichtig sind. Es kann sein, dass ich durch die Vorgängerlektüre („Der Anschlag“, auch vom Grandmaster himself) ein bisschen zu verwöhnt war, denn in diesem Buch wird die Geschichte episch ausgeschlachtet. Das liebe ich. Mir war für die an sich sehr gute Story die Ausführung zu kurz. Sicher, King selber sagt ja: einfach, wenns einfach geht. Aber das ist es eben: Bei mir hat es ein bisschen so ein Fastfood-Gefühl hinterlassen. Man ist satt, aber nur für kurze Zeit und irgendwie nicht ganz befriedigt. Weil die Geschichte so stark beginnt, habe ich den Eindruck, als wäre eigentlich eh etwas Längeres geplant gewesen, aber als habe er am Weg dahin die Lust verloren.

Und ich weiß nicht, ob es Altersmilde ist, aber wann hat es angefangen, dass Kings Bücher so versöhnlich enden? So ganz ohne einen letzten Blick auf das Grauen, nur um sicherzugehen, dass der Leser auch ja kein Auge zumacht? Ich habe es gemocht und verschlungen, Holly ist einfach einer meiner liebsten Stephen King-Charaktere, aber für die ganz tiefe Liebe hat es dieses Mal nicht gereicht.
Details.
Original: The Outsider (2018)
Seiten: 475 (Hodder & Stoughton Taschenbuch)
Preis: 14,99 Euro
ISBN: 978-1473676350

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