Die scheußlichsten Länder der Welt

von Favell Lee Mortimer & Todd Pruzan

„Italien ist voller schöner Häuser und Paläste  – leer und dem Verfall preisgegeben -, aber das ist nicht das Schlimmste: Die Menschen sind dumm und gottlos!“ schreibt Favell Lee Mortimer um 1849 in ihrem Buch „The Countries of Europe described“. Und da Mrs. Mortimer Europa nicht genügt, hat sie in ihrem Reiseführer der besonderen Art auch einiges Wissenswertes zum Rest der Welt zu sagen. Etwa, dass es in China ganz gewöhnlich sei, auf den Straßen über die Leichen von Babys zu stolpern. Oder Hindustan, jenes Land, wo die Frauen ihre Zeit damit verbringen, „zu faulenzen, herumzuschlendern und Unsinn zu schwatzen“. Eine harsche Meinung hat sie, unsere übellaunige Mrs. Mortimer. Vor allem wenn man bedenkt, dass sie Zeit ihres Lebens nie aus ihrem kleinen englischen Kaff hinausgekommen ist.

Das hat sie aber nicht daran gehindert, fleißig Reiseliteratur zu schreiben. Diese zu lesen, hinterlässt aus heutiger Sicht gemischte Gefühle. Denn natürlich muss man einerseits über die Empörung lachen, die in jeder von Mrs. Mortimers Zeilen zu spüren ist – darüber, dass sich die Menschen in anderen Ländern anders kleiden, darüber, dass sowieso alle faul sind und gottlos obendrein, ihre Babys fressen und sich nie waschen. Andererseits bleibt einem das Lachen aber hin und wieder auch im Hals stecken, schließlich hat man schon auch ein wenig ein schlechtes Gefühl dabei, wenn man über die platten Vorurteile auch noch lacht.

Meine Meinung.
Aber genau hier liegt der Punkt: Mich persönlich hat das Buch vor allem amüsiert, weil die Art und Weise, wie sich die Lady echauffiert, einfach komisch ist. Die Frau hat wohl nicht besonders viel Befriedigung in ihrem Leben erlebt, außer jene, andere Länder in Grund und Boden zu schreiben. Und dann finde ich das Vorgehen natürlich auch kühn: Da setzt sich eine Frau hin und schreibt einfach mal Bücher, die sie als Reiseführer ausgibt, wohlwissend, dass alles was sie schreibt, reine Vermutung oder Fantasie ist. Und dennoch muss es unglaublich viel Arbeit gewesen sein, zumindest die geographischen Informationen, die es damals schon gab, zusammenzutragen. Meiner Meinung nach ein Buch, das man lesen sollte, aber nicht muss. Für mich besonders erheiternd ist auch Mrs. Mortimers Leidenschaft wenn es darum geht, die einzig wahre Religion (protestantisch) unters Volk zu bringen. Selbst die Katholiken sind ihr ein Dorn im Auge.

Empfohlene Lesezeit.
Im Flugzeug auf dem Weg in den Urlaub. Mrs. Mortimers Werk ist relativ flüssig und schnell zu lesen, also für Langstrecke noch zusätzlich Leseproviant mitnehmen.

Letzter Satz.

„Bevor der Missionar eintrifft, bauen sie ihm schon ein Haus, und wenn er dann ankommt, empfangen sie ihn wie den Engel Gottes; aber wenn der katholische Priester zuerst eintrifft, werden sie ihn empfangen und lernen, auf Dinge zu vertrauen, die sie nicht erlösen können.“

Die Eckdaten.
Original: The Clumsiest People in Europe.
Seiten: 242
Preis: 10,90 Euro (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-492-25374-1

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