Wahrscheinlich werde ich irgendwann auf diese Zeit zurückblicken und lächeln. Vielleicht werde ich mich und alles, was ich so auf die Reihe kriege, bewundern. Aber aktuell bin ich einfach nur unendlich müde. Mein Wecker läutete viel zu früh, ich trank hastig einen Kaffee, holte mir von der Waage eine Klatsche ab und schrieb noch schnell einen Artikel für The Chill Report. Dann war ich auch schon im Auto und auf den Weg zum Haus. Die Stunde auf der Autobahn ist eine Zwangspause, die Tatsache, dass mein Tempomat adaptiv ist, eine Art zusätzliche Lebensversicherung. Beim OBI kurz raus und die wichtigsten Werkzeuge für den heutigen Tag besorgt – wer hätte gedacht, dass ich mich dereinst für die verschiedenen Varianten von Abdeckvlies interessieren würde? – und dann weiter zum Haus.
Ungefähr 1,5 Stunden hatte ich da Zeit, bevor mein Dad kam. Ich nutzte sie, um einen neuen Briefkasten (den ersten, den das Haus je gesehen hat) zu montieren und die Treppe (aus Holz und eher eine Landebahn) mit Abdeckvlies zu bekleben. Als Dad da war, machten wir uns an die Arbeit und bauten mal den nervigen Kasten in einem der Zimmer oben ab. Seine Bestandteile segelten über den Balkon in den Garten, von wo wir sie dann erst wieder wegschafften. Jetzt lagern die „schönen“ Bretter in der Garage und alles, was sonst an Holzabfällen zusammenkommt, im Garten. Die wollen Mum und Pa morgen dann zu Feuerholz machen. Mein Onkel schaute auch vorbei. Eigentlich, weil er die Wände oben vom unsäglichen Popcornputz befreien sollte. Doch weil ein Verbindungsstück für den Absaugschlauch fehlte, half er uns kurzerhand damit, die Holzverkleidung an der Decke zu entfernen. Das war die vielleicht schönste Überraschung, seit ich das Haus gekauft habe: die Decke ist eigentlich auch in den Räumen unten fast drei Meter hoch, sie sind nur mit einer Zwischendecke aus Holz abgehängt worden.
Eine weitere Überraschung, die gar nicht sooo schlecht ist, wie sie auf den ersten Blick klingt, entdeckten wir im „orangen“ Zimmer. Da liegt nämlich unter dem Laminat ein verfaulter Holzboden, darunter ist Schotter, darunter good old Beton. Also haben wir auch den Boden schonmal rausgerissen. Bis morgen Abend soll dann auch der Schotter in einem Eck im Garten ein neues Zuhause finden. Es wird und es ist schon unglaublich, was man zu zweit (mein Onkel blieb nur ca. eine Stunde) in acht Stunden am Bau so weiterbringen kann.
Um 18 Uhr verabschiedete sich mein Dad. Und ich? Ich komme jetzt endlich dazu, meinen echten Job zu erledigen. Meine Kunden und auch den Chill Report interessiert es nämlich herzlich wenig, ob ich eigentlich schon 8 Stunden Bau in den Knochen hab.