Aktuell bin ich für The Chill Report auf einer Kreuzfahrt im Mittelmeer unterwegs. Als Magazin mit starkem Reisefokus haben wir natürlich auch diese Form des Unterwegsseins in unserem Themenfokus. Mir ist aber durchaus auch bewusst, dass es nachhaltigere Urlaube gibt. Zum Beispiel Camping im eigenen Garten. Weil dann hat man null CO2-Fußabdruck und ist nur so umweltschädlich, wie man das eben im Alltag so ist. Also mit Auto, Flugavocados, Microplastik in der Zahnpasta, Datenverbrauch und Atemluftausstoß.
Was hier leicht zynisch klingt und wahrscheinlich unsympathisch rüber kommt, ist das Resultat aus vielen Gesprächen, in denen ich mich (unter anderem) für meine Zuneigung zur Kreuzfahrt rechtfertigen musste. Meist kommt Kritik nämlich von uninformierten Menschen, die keine Gelegenheit auslassen, andere zu piesaken, selbst aber in ihren Nachhaltigkeitsbemühungen auch nicht weiter gehen, als Freilandeier zu kaufen. Wer sich informiert, weiß: Nur 0,6 bis 1 Prozent der Schiffe, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, entfallen auf die Kreuzfahrt. Der Rest sind Containerschiffe, die von Batterien für Elektroautos bis zum günstigen T-Shirt alles quer durch die Welt transportieren. Sie stehen jedoch nicht in der Kritik, die Kreuzfahrt allerdings schon. Erstere können deswegen einfach so weitermachen, wie bisher. Zweitere überlegen sich Maßnahmen, um die Schifffahrt nachhaltiger zu machen. Das müssen sie, weil sie eben im Licht der Öffentlichkeit stehen. Erkenntnisse, die aus der Cruise-Industrie kommen, finden nur dann ihren Weg in die Containerschifffahrt, wenn sie eine günstigere Alternative zu bisherigen Maßnahmen darstellen. Was Nachhaltigkeit halt in der Regel einfach nicht tut.
Mein Herumgeschwafle soll im Grunde sagen: Ich mag Kreuzfahrten. Und ich verstehe jeden Menschen, der daran Gefallen findet. Mit einer Einschränkung: Es muss ein kleines Schiff sein. Mit Ozean-Riesen mit über 5.000 Passagieren kann man mich jagen.