Perspektivenwechsel

Es war im April 2013 als ich zum ersten Mal einen Fuß in die Wüste setzte. Die ersten Schritte durch das steinige Nichts waren auch meine ersten Schritte, die ich als Reisejournalistin tat. Der Trip war denkwürdig. Danach war nichts mehr so wie vorher. Ich wusste endlich, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Mir war klar geworden, dass ich mir einen bequemen Käfig aus einer stabilen Beziehung mit einem superlieben Menschen, Tradition, Landidylle und zu erfüllenden Erwartungen anderer aufgebaut hatte. Da wieder raus zu kommen, ohne sich im Prozess die Flügel zu brechen, war eine Herausforderung. Aber verglichen zur unendlich scheinenden Weite der Wüste dann doch eine schaffbare Aufgabe.

Das Leben passierte, es war mal so, mal so. Die Wüste blieb als Sehnsuchtsort. Egal, ob es nun Death Valley in Nevada, die Kalahari oder die Namib war: immer, wenn mein Herz schwer war, war die Wüste für mich da. Dieses Mal war es die Sahara, die Sand ins Getriebe der Gedankenmaschine gebracht hat, wie Thomas D. in „Liebesbrief“ so schön singt. Ich glaube, dass man nicht weit weg muss, um sich selbst zu finden. Ich glaube, dass man sich im Alltag selbst am besten erkennt. Aber ich bin schon der Meinung, dass wir manchmal eine andere Perspektive aufs Leben brauchen. Einfach, um zu erkennen, was wichtig ist.

Ich bin eine Düne hochgewandert, barfuß. Der kühle und orange Sand zwischen den Zehen war samtig weich. Die Sonne am Weg auf die andere Seite der Welt und schon fast untergegangen. Das Licht war fast golden. Ich setzte mich da oben also hin und sah runter aufs Camp. Die Zelte bildeten ein kleines Dorf, eins sah aus wie das andere. Es war unglaublich still. Dann richtete ich den Blick in die Ferne und da war es wieder: mein Wüstengefühl. Die Leere um mich herum hat die Leere in mir ausgefüllt. Fragen, die mich fast das ganze letzte Jahr beschäftigt haben („Warum?“ war die häufigste darunter), sind unbeantwortet verstummt.

Es ist nämlich egal. Was man nicht ändern kann, muss man sowieso loslassen. Niederlagen muss man sich eingestehen und akzeptieren. Nicht alle Wunden heilen. Was gut war, kann schlecht werden. Ich werde immer für die Dinge kämpfen, an die ich glaube. Aber wenn ich verloren habe und ins Bodenlose falle, ist es der Sand der Wüste, der mich auffängt. Der Aufprall tut meistens weh, aber auch das verliert in der Weite des Nichts seine Bedeutung.

 

#sahara #tunesien #wueste #halbeherzen #therapiebus

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